Dem Alter die Ehr

Ehrenpräsidentin Christa Wank

An einem sonnigen Novembernachmittag erwartete mich Frau Wank am Treppenaufgang ihres lichtdurchfluteten Heimes. Zum Kaffee servierte sie vorzüglichen selbstgebackenen Mohnkuchen und Plätzchen. In dieser angenehmen Atmosphäre fand unser Zwiegespräch statt.

„Geworden-Sein“

Frau Christa Wank erblickte das Licht der Welt im ostpreußischen Domnau, Kreis Bartenstein, wo ihre Eltern eine Maschinenbauanstalt besaßen. Hier besuchte sie die Volksschule und genoss Unterricht durch eine Privatlehrerin. Danach besuchte sie in Königsberg die höhere Handelsschule, die sie mit der mittleren Reife abschloss. Mit zwanzig Jahren heiratete sie.

1945 flüchtete sie mit einer hochschwangeren Angestellten über das Frische Haff nach Danzig und von dort zu einem Onkel nach Berlin. Von Berlin ging es weiter nach Thüringen. 1954 konnte ihr Ehemann in Dortmund eine Zahnarztpraxis übernehmen. Ihr Part war die Buchführung. Sie bauten ein Haus, welches sie mit ihren drei Kindern bewohnten und in dem Frau Wank heute mit 96 Jahren selbständig lebt.

Seit ihrer Vertreibung war Frau Wank aktives Mitglied in der ostpreußischen Landsmannschaft. Vierzig Jahre lang leitete sie die Frauengruppe der ostpreußischen Landsmannschaft. Diese verlieh ihr aufgrund ihres langjährigen selbstlosen Einsatzes die silberne und später die goldene Ehrennadel. In der Begründung für Letztere heißt es: „Frau Christa Wank ist seit 1945 engagiertes Mitglied der Landsmannschaft Ostpreußen und überaus aktiv in vorbildlichem Einsatz für die Belange der Heimatvertriebenen, Aussiedler und – soweit dies bis zur Wiedervereinigung notwendig war – auch für die Aussiedler aus der ehemaligen DDR.“

Präsidentin im Frauenverband im Bund der Vertriebenen

Als Frau Wank 1986 zur Vizepräsidentin und 1992 zur Präsidentin des Frauenverbandes gewählt wurde, konnte sie auf ihre reiche Erfahrung in der ostpreußischen Frauenarbeit zurückgreifen. Ihre erste Amtshandlung war die Umbenennung des Verbandes; der „Frauenbund für Heimat und Recht im Bund der Vertriebenen“ trägt seit dieser Zeit den Namen „Frauenverband im Bund der Vertriebenen e.V.“. Sodann vervollständigte sie ihre Kartei mit berühmten ostpreußischen Frauen. Die Frauenporträts wurden als kulturelle Arbeitshilfe Nr. 66 unter dem Titel: „Bedeutende Frauen aus dem deutschen Osten“ veröffentlicht. Für die jährlichen Frauenseminare verpflichtete Präsidentin Wank hochrangige Wissenschaftler und erfahrene Frauen und Männer aus Ost und West. Besonders interessiert war sie an der Geschichte und der Entwicklung der ehemaligen deutschen Staats- und Siedlungsgebiete. „Über den Tellerrand schauen“ deutete sie im Sinne von Lernmöglichkeiten für vertriebene und daheimverbliebene Frauen. Mit den internationalen Frauentagungen legte sie den Grundstein für eine solide Frauenbildungsarbeit im Bund der Vertriebenen. Nach dem Fall der Mauer war sie intensiv beschäftigt mit dem Aufbau von Frauenverbandsstrukturen in Mitteldeutschland. Im Osten wie im Westen trachtete sie danach, das heimatliche Brauchtum und die Geschichte der Vertriebenen dem Vergessen zu entreißen und das Selbstbewusstsein und die Identität der Frauen zu stärken. Dafür besuchte sie Schulen als Zeitzeugin, hielt Vorträge, organisierte Veranstaltungen und sammelte Volksgut wie die Geschichte „Die Gans der Schwestern Schneidereit.“

Rückblickend auf ihre Zeit als Präsidentin im Frauenverband im BdV e.V. sagte Frau Wank: „Ich bin vielen fähigen, starken Frauen von unterschiedlicher Herkunft und Bildung begegnet. Wir haben miteinander gearbeitet und voneinander gelernt. Wir sind einander immer mit Respekt begegnet. Viele Freundschaften und Kontakte pflege ich bis heute. Es war ein gutes Gefühl, gefordert zu werden; zu erkennen, was man kann, was man weiß und was man Neues erlernen kann. Man braucht einen festen Willen, gepaart mit Interesse/Neugier und der Bereitschaft, sich auf andere einzulassen, um den vollen Einsatz zu bringen. Die Frauenarbeit bereicherte und stärkte mich. Sie war für mich ein Stück Horizonterweiterung und Persönlichkeitsbildung zugleich. Das gibt mir heute das Gefühl der Dankbarkeit und Zufriedenheit.“

Als Höhepunkt ihrer Zeit als Präsidentin schilderte Frau Wank ihre Begegnung mit Prinz Louis Ferdinand von Preußen. Anlässlich einer Veranstaltungsreihe beeindruckte Seine Königliche Hoheit Frau Wank durch seine feinsinnige Musikalität und seine Bescheidenheit.

Im Folgenden werden Frau Wanks Aussagen zu zwei Themenkreisen unkommentiert wiedergegeben:

Wichtig im Leben ist für mich

„Die Familie.“

„Freunde, gute Freunde braucht man im Leben.“

„Gesundheit.“

„Es ist wichtig, neugierig und aufgeschlossen zu bleiben.“

„Wir sollten die Politik kritisch verfolgen.“

„Flüchtlinge, die zu uns kommen, sollen unsere Rechtsordnung und unsere Lebensführung respektieren.“

„Ich pfeife nicht nach dem Wind.“

„In Frieden und Sicherheit zu leben –  sich sicher auf der Straße bewegen zu können.“

„Kunst sollte erhebend sein.“

Was ich jungen Menschen sagen will

„Junge Menschen sollten ihre eigene und die große Geschichte kennen, denn nur durch die Geschichte bekommt man die richtige Sicht auf das Leben.“

„Wir alle und besonders junge Menschen brauchen Vorbilder, die uns ein gutes Leben vorleben und auch bereit sind, Fehlschläge zuzugeben.“

„Junge Menschen sollten an sich selbst und an ihre Ziele glauben.“

„Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg.“

„Der Glaube an Gott kann hilfreich sein, nicht nur als Vergewisserung in guten Zeiten, sondern auch in schweren Zeiten, akzeptieren zu können, dass alles, was uns widerfährt, Gottes Wille ist. Wir sind ein Körnchen in Gottes Hand.“


Für ihren jahrzehntelangen engagierten Einsatz für die vertriebenen und ausgesiedelten Frauen, für ihr heimatliches Ostpreußen, für die Förderung und den Erhalt des ostdeutschen Kulturguts und der Erinnerungskultur sowie die aktive Teilnahme am sozialen und kulturellen Leben der Stadt Dortmund wurde Frau Wank mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.

Wir Frauen im Frauenverband und im Bund der Vertriebenen nehmen mit Ehrfurcht Anteil an der bewundernswerten Lebensleistung unserer Ehrenpräsidentin.

Wir wünschen Ihnen, verehrte Frau Wank, dass Sie, getragen von der Zuneigung Ihrer Kinder, Enkelkinder und Freunde, Ihr bewusstes und aktives Leben Tag für Tag genießen!

Danke für das tiefgehende und bewegende Gespräch.

 

„Dem Alten die Ehr“ mit Christa Wank ist erstmalig im Tagungsband 2016 erschienen. Unsere Publikationen finden Sie hier.

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