Die Geschichte des Frauenverbandes im Bund der Vertriebenen e. V. reicht bis in die frühen Jahre der organisierten Frauenarbeit innerhalb des Bundes der Vertriebenen zurück.

Bereits 1953 engagierten sich Frauen in der „Arbeitsgemeinschaft heimatvertriebener und geflüchteter Frauen im BdV“ und im „Landsmannschaftlichen Frauenarbeitskreis“. Aus dieser Arbeit heraus wurde am 5. Juni 1959 in Bonn die eigenständige Organisation „Frauenarbeit im Bund der Vertriebenen e. V.“ gegründet. Zur ersten Vorsitzenden wurde Hertha Pech aus Hannover gewählt; Elisabeth Gräfin Praschma und Hanna Magen übernahmen stellvertretende Funktionen.

In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich der Verband organisatorisch und inhaltlich weiter. Nach mehreren Namensänderungen erhielt er 1980 die Bezeichnung „Frauenbund für Heimat und Recht im Bund der Vertriebenen e. V.“. Seit März 1994 trägt er seinen heutigen Namen „Frauenverband im Bund der Vertriebenen e. V.“.

Von Beginn an standen die Erfahrungen vertriebener Frauen, ihre Lebensleistungen sowie die Bewahrung des kulturellen und historischen Erbes im Mittelpunkt der Arbeit. Tagungen, Begegnungen, Veröffentlichungen und Zeitzeugenarbeit entwickelten sich über die Jahrzehnte zu wichtigen Bestandteilen des Verbandslebens.

Mit dem zeitlichen Abstand zu Flucht und Vertreibung veränderten und erweiterten sich auch die Aufgaben des Verbandes. Neben der Erlebnisgeneration rückten zunehmend deren Kinder und Enkel, Aussiedlerinnen und Spätaussiedlerinnen sowie Fragen nach der Weitergabe von Erinnerungen und den Auswirkungen historischer Erfahrungen auf nachfolgende Generationen in den Blick.

Ein weiterer Schwerpunkt entwickelte sich in der Begegnungs- und Verständigungsarbeit. Durch Tagungen, Reisen und persönliche Begegnungen mit Menschen in den früheren Heimat- und Herkunftsgebieten fördert der Frauenverband bis heute den Dialog über Grenzen hinweg und die Verständigung in Europa.

Auch die Sammlung und Dokumentation persönlicher Lebensgeschichten besitzt einen hohen Stellenwert. Ein umfangreicher Teil der Überlieferung umfasst Zeitzeugenberichte und Materialien zur wissenschaftlichen Beschäftigung mit den Erfahrungen von Flucht und Vertreibung. Im Archiv der deutschen Frauenbewegung befindet sich heute ein eigener Bestand des Frauenverbandes mit einer Laufzeit von 1980 bis 2014 und einem Umfang von rund 3,8 Regalmetern. Dort wird ein eigener Bestand des Frauenverbandes mit Materialien aufbewahrt. Er enthält unter anderem Korrespondenzen, Tagungsunterlagen, Publikationen und Materialien zur Zeitzeugenarbeit. Unterlagen aus der Zeit von den Anfängen des Verbandes bis 1998 werden im Bundesarchiv in Koblenz verwahrt. Koblenz ist die Hauptdienststelle des Bundesarchivs und bewahrt unter anderem Archivgut privater Organisationen, Vereinigungen und Verbände aus der Geschichte der Bundesrepublik auf.

Die Geschichte des Frauenverbandes ist bislang noch nicht vollständig wissenschaftlich aufgearbeitet. Ihre weitere Erschließung und Dokumentation verstehen wir deshalb als eine wichtige Aufgabe für die kommenden Jahre. Historische Akten, Fotografien, Publikationen und persönliche Erinnerungen ehemaliger Mitglieder können dazu beitragen, die Entwicklung des Verbandes und die Arbeit der Frauen über mehr als sechs Jahrzehnte hinweg weiter sichtbar zu machen.

Unsere Geschichte ist damit nicht nur Rückblick, sondern zugleich Teil unserer heutigen Aufgabe: Erinnern, Bewahren und Weitergeben.