Der dritte Tag der Internationalen Auslandstagung des Frauenverbandes im Bund der Vertriebenen (BdV) e. V. in Hermannstadt/Sibiu war der zweite Seminartag und fand in besonderer Atmosphäre im Bischofspalais statt. Im Mittelpunkt standen Frauenarbeit in der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien, deutschsprachige Medien, deutsche Schulbildung in Rumänien sowie historische Zeugnisse der deutschen Minderheit als Teil des gemeinsamen europäischen Erbes.
Nach dem gemeinsamen Frühstück begann das Seminarprogramm im Bischofspalais mit einem Vortrag von Margit Kézdi, Geschäftsführerin der Frauenarbeit der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien. Sie sprach über Frauen in der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien und deren Verantwortung in Gemeinde, sozialem Engagement und Bildungsarbeit. Dabei wurde deutlich, welche wichtige Rolle Frauen in kirchlichen Strukturen, in der Gemeindearbeit und in der Weitergabe von Glauben, Bildung und sozialer Verantwortung übernehmen. Margit Kézdi ist Geschäftsführerin der Frauenarbeit der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien. Die Frauenarbeit ist ein kirchliches Werk der Evangelischen Kirche A. B.; ihre historischen Wurzeln reichen bis zur Gründung des „Allgemeinen Frauenvereins“ im Jahr 1884 zurück. Nach einer längeren Unterbrechung wurde die Frauenarbeit im Jahr 2000 wieder mit eigenem Statut ins Leben gerufen. In ihrer Funktion koordiniert Margit Kézdi die Arbeit der Geschäftsstelle, Veranstaltungen, Fortbildungen, Rundbriefe und die Vernetzung von Frauen innerhalb der evangelischen Gemeinden in Rumänien. Die Geschäftsstelle der Frauenarbeit befindet sich in Hermannstadt.
Inhaltlich beschreibt Margit Kézdi die Frauenarbeit als ein Dach, unter dem sich Frauen regional, landesweit und international vernetzen können. Ziel ist es, Gemeinschaft zwischen Generationen und Konfessionen zu fördern sowie Veranstaltungen zu organisieren, die Frauen im Glauben stärken und ihre Begabungen sichtbar machen. Bekannt ist Margit Kézdi außerdem durch ihre Mitarbeit rund um den Weltgebetstag und weitere kirchliche Bildungs- und Gemeinschaftsangebote.
Besonders schön war an diesem Vormittag auch die Begegnung und das freudige Wiedersehen mit Frau Ilse Philippi. Sie war zur März-Tagung des Frauenverbandes im Heiligenhof als Referentin angereist und hatte dort einen Vortrag über Frauen in Siebenbürgen gehalten.
Im weiteren Verlauf des Vormittags sprach Nina May, Chefredakteurin der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien, über die deutschsprachige Zeitung in Rumänien als Plattform für gesellschaftlichen Dialog und Verständigung zwischen Mehrheitsbevölkerung und Minderheiten. Dabei wurde die Bedeutung der deutschsprachigen Presse für Information, kulturelle Sichtbarkeit und den Dialog innerhalb einer mehrsprachigen Gesellschaft deutlich.
Nina May wurde 1965 in Linz an der Donau geboren. Sie ist Diplom-Physikerin, Journalistin und Autorin. Aufgewachsen in Bayern, studierte sie Physik an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Nach einer Tätigkeit im deutschen Staatsdienst zog sie 2008 nach Rumänien. Seit 2011 arbeitet sie journalistisch für die Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien, seit 2020 beziehungsweise offiziell seit 2021 als Chefredakteurin der ADZ. In ihrer journalistischen Arbeit beschäftigt sie sich besonders mit Rumänien, seinen Regionen, kulturellen Eigenheiten und der deutschen Minderheit im Land. Die ADZ ist eine deutschsprachige Tageszeitung in Rumänien und berichtet über Politik, Wirtschaft, Kultur und lokales Leben sowie über Themen der deutschen Minderheit. Als Autorin veröffentlichte Nina May unter anderem Reiseberichte und Glossen über Rumänien, darunter „Komm mit durch Rumänien“, eine Sammlung von Reisereportagen der ADZ, sowie gemeinsam mit Traian Pop den Glossenband „Das gibt’s doch gar nicht! Die Walachei ist nicht im Nirgendwo, sondern mitten unter uns“.
Nach dem gemeinsamen leckeren Mittagessen im Bischofspalais, das vom Elimheim in Michelsberg für uns zubereitet wurde, führte das Programm zum Samuel-von-Brukenthal-Gymnasium. Dort stand die Schulbildung in deutscher Sprache in Rumänien im Mittelpunkt. Im Gespräch mit der Direktorin Monika Hay und mit drei Schülern der 11. Klasse wurde die Brückenfunktion deutschsprachiger Bildung für Verständigung und Zusammenarbeit in Europa deutlich. Gerade das Brukenthal-Gymnasium zeigt, dass deutsche Sprache und Bildung in Rumänien nicht nur historisches Erbe sind, sondern auch eine lebendige Gegenwart und Zukunft haben.
Monika Hay ist Direktorin des Samuel-von-Brukenthal-Gymnasiums in Hermannstadt. Monika Hay stammt aus Semlak im Kreis Arad, wo sie die ersten acht Schuljahre absolvierte. Danach schloss sie das Pädagogische Lyzeum in Hermannstadt ab. Anschließend arbeitete sie elf Jahre als Grundschullehrerin in Hermannstadt. Während dieser Zeit studierte sie Geschichte. Ab 2004 war sie zwölf Jahre Fachinspektorin für den deutschsprachigen Grundschul- und Minderheitenunterricht im Hermannstädter Schulamt. Seit September 2016 ist sie Direktorin des Samuel-von-Brukenthal-Gymnasiums.
Das Brukenthal-Gymnasium ist eine traditionsreiche deutschsprachige Schule in Hermannstadt. Die Schule verweist ihre Anfänge auf das Jahr 1380 und gilt als eine der bedeutenden deutschsprachigen Bildungseinrichtungen in Rumänien. Der Unterricht umfasst die Klassen 5 bis 12; in der Oberstufe entspricht dies dem rumänischen Lyzeum. Hier kann auch das bundesdeutsche Abitur abgelegt we
rden. Inhaltlich steht Monika Hay für die Fortführung deutschsprachiger Bildung in Siebenbürgen. Sie betont dabei Erziehung zu Offenheit, Teamfähigkeit und europäischen Werten.
rden. Inhaltlich steht Monika Hay für die Fortführung deutschsprachiger Bildung in Siebenbürgen. Sie betont dabei Erziehung zu Offenheit, Teamfähigkeit und europäischen Werten.Nach dem Besuch des Samuel-von-Brukenthal-Gymnasiums fand eine Führung durch die Evangelische Stadtpfarrkirche in Hermannstadt statt. Roger Pârvu erläuterte dabei die Geschichte und Bedeutung dieses zentralen kirchlichen und kulturellen Ortes. Punktuell wurde die Führung von Ilse Philippi unterstützt, die über viele Jahre Kuratorin der Kirche war und durch ihre persönliche Erfahrung zusätzliche Einblicke geben konnte. Dadurch erhielt die Gruppe nicht nur historische Informationen, sondern auch einen lebendigen Eindruck davon, welche Bedeutung die Kirche für die evangelische Gemeinschaft und die deutsche Minderheit in Hermannstadt bis heute besitzt.
Im Anschluss besuchten die Teilnehmerinnen das Brukenthal-Museum. Die Besichtigung widmete sich historischen Zeugnissen der deutschen Minderheit und deren Bedeutung für das gemeinsame europäische Erbe. Die Sammlungen und Zeugnisse machten sichtbar, welchen Beitrag die deutsche Minderheit in Siebenbürgen über Jahrhunderte zur kulturellen Entwicklung der Region geleistet hat.
Der Tag endete mit einem gemeinsamen Abendessen in einem traditionellen rumänischen Restaurant unweit des Hotels. Nach einem inhaltlich dichten und vielseitigen Seminartag bot der Abend Gelegenheit, die Eindrücke des Tages zu vertiefen, Gespräche fortzusetzen und die Begegnungen innerhalb der Gruppe weiter zu stärken.
Hiltrud Leber
Fotos: Lilia Antipow, Roger Pârvu, Hiltrud Leber












