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Fünfter Tag der Internationalen Auslandstagung in der Region Hermannstadt

Der fünfte Tag der Internationalen Auslandstagung des Frauenverbandes im Bund der Vertriebenen (BdV) e. V. führte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in die Region Hermannstadt. Im Mittelpunkt standen historische Dorfgemeinschaften, Kirchenburgen, Handwerkstraditionen, Denkmalpflege, die Geschichte der Landler sowie der Austausch mit rumänischen Gemeindemitgliedern in Sibiel.
Am Vormittag führte die Fahrt zunächst nach Heltau. Dort stand die Selbstorganisation der historischen Dorfgemeinschaften in Siebenbürgen im Mittelpunkt. Bei einem historischen Rundgang und der Besichtigung der restaurierten Kirchenburg wurde erläutert, wie sich kirchliches Leben, Gemeindestrukturen, Nachbarschaften und gemeinschaftliche Verantwortung über Jahrhunderte miteinander verbunden haben. Referent war Pfarrer László-Zorán Kézdi, der Einblicke in die Geschichte und Gegenwart der Heltauer Gemeinde gab, unter anderem auch in die Kinder- und Jugendarbeit.
Pfarrer László-Zorán Kézdi stammt aus Schäßburg und ist eine prägende geistliche Persönlichkeit der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien. Vor seiner Tätigkeit in Heltau betreute er neun Jahre lang die Stadtgemeinde Sächsisch-Regen sowie sieben weitere Gemeinden des Reener Ländchens und war dort auch Dechant-Stellvertreter. Seit 2009 wirkt er als Stadtpfarrer in Heltau/Cisnădie.
Über seine Gemeindearbeit hinaus engagiert sich Pfarrer Kézdi stark für den Erhalt des siebenbürgisch-sächsischen Kirchen- und Kulturerbes. 2016 führte er Bundespräsident Joachim Gauck und den rumänischen Präsidenten Klaus Johannis durch die Heltauer Kirchenburg. In Heltau begleitete er unter anderem die umfangreiche Renovierung der Walburga-Kirche in den Jahren 2019 bis 2023 sowie die Weiterentwicklung historischer Kirchenräume zu Orten des kulturellen und gemeinschaftlichen Lebens. Außerdem vertritt er die Evangelische Kirche A. B. in Rumänien in ökumenischen Zusammenhängen, unter anderem als Mitglied der Südosteuropagruppe der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa.
Nach dem Besuch in Heltau ging es weiter nach Michelsberg. Dort fand das gemeinsame Mittagessen im neu sanierten Restaurant Kamin statt. Das abbruchreife Gebäude der ehemaligen Feuerwehr wurde vollständig renoviert und erst im vergangenen November fertiggestellt. Zum ersten Mal gab es auch „Mici“ zu essen, alle griffen zu. Anschließend besuchte die Gruppe die Kirche. Kurator Michael Henning berichtete über Handwerkstraditionen, Baugeschichte und Denkmalpflege. Michael Henning wurde dabei auch als letzter Kachelofenbauer vorgestellt. Er lebt mit seiner Familie in Michelsberg und gehört zu den wenigen dort verbliebenen Siebenbürger Sachsen. Seit vielen Jahren ist er eng mit dem kulturellen, kirchlichen und handwerklichen Leben des Ortes verbunden. Beruflich ist er seit Jahrzehnten als Postbote beziehungsweise bei der Poststelle in Michelsberg tätig. Bekannt wurde er vor allem als einer der letzten, nach eigener Aussage der letzte sächsische Handwerker in Rumänien, der traditionelle handgefertigte und handbemalte Kacheln für siebenbürgisch-sächsische Kachelöfen herstellt.
Die Kacheln werden nach alten Mustern gefertigt, getrocknet, gebrannt, von Hand bemalt, glasiert und erneut gebrannt. Damit bewahrt Michael Henning ein selten gewordenes Handwerk, das eng mit der Wohn- und Alltagskultur der Siebenbürger Sachsen verbunden ist. Neben seiner handwerklichen Arbeit engagiert er sich als Kurator der evangelischen Kirchengemeinde A. B. Michelsberg. Er tritt zudem als Kenner und Erzähler der Ortsgeschichte auf.
Am späten Nachmittag führte die Fahrt weiter nach Großau. Großau ist eine Landlergemeinde. Im Mittelpunkt standen die Landler, ihre Glaubenstreue, ihr Familienleben und die Bewahrung gemeinschaftlicher Werte über Generationen hinweg. Referent vor Ort war Matthias Krauss, Kurator der evangelischen Kirchenburg Großau.
Matthias Krauss ist eine prägende Persönlichkeit der Großauer Gemeinschaft. Als gebürtiger Großauer verließ er 1989 Rumänien in Richtung Bundesrepublik Deutschland, fand jedoch bald den Weg zurück zu seiner siebenbürgischen Heimat. Sein Wirken verbindet unternehmerische Initiative, kirchliches Engagement und gelebte Verantwortung für das kulturelle Erbe Großaus. Schon in den 1990er-Jahren setzte er sich für wirtschaftliche Kontakte zwischen Deutschland und Siebenbürgen ein und trug zur Vernetzung deutscher Unternehmer in Rumänien bei.
Seit 1998 ist Matthias Krauss Kurator der evangelischen Kirchenburg Großau. In dieser Funktion engagiert er sich seit Jahrzehnten für den Erhalt der Kirchenburg, die Pflege des Gemeindelebens und die Verbindung zwischen den in Großau Verbliebenen, den Ausgewanderten und den Freunden der Gemeinde. Bei Heimattreffen, Sachsentreffen, Kirchenführungen und kulturellen Veranstaltungen tritt er als Brückenbauer zwischen Vergangenheit und Gegenwart auf. Besonders sichtbar wurde sein Einsatz bei der umfassenden Restaurierung der Kirchenburg im Jahr 2022 und der anschließenden Renovierung der Orgel. Auch spätere Veranstaltungen, etwa das Chortreffen der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien im Jahr 2024, fanden in der liebevoll gepflegten Großauer Kirchenburg statt und würdigten die Bereitschaft und Unterstützung von Kurator Matthias Krauss. Für sein langjähriges Engagement wurde er 2024 mit der Honterusmedaille ausgezeichnet.
Im Anschluss führte das Programm nach Sibiel. Dort besuchten die Teilnehmerinnen das Ikonen-Museum. Im Mittelpunkt standen die Bildtradition in den rumänischen Religionen und ihre Bedeutung für Identität und Verständigung. Danach kehrte die Gruppe zu einem traditionellen rumänischen Essen in einem Restaurant ein.
Nach dem Abschlussessen wurden die Begegnungstagung ausgewertet und die Eindrücke der vergangenen Tage miteinander besprochen. Im Mittelpunkt stand auch die Frage, wie die Erfahrungen, Gespräche und Erkenntnisse dieser Auslandstagung in die Bildungs- und Verbandsarbeit in Deutschland weitergegeben werden können.
Hiltrud Leber
Fotos: Lilia Antipow, Hiltrud Leber, Roger Parvu

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