Aktuelles

Frauenverband im BdV besucht Mediasch, Schäßburg und Holzmengen

Der vierte Tag der Internationalen Auslandstagung des Frauenverbandes im Bund der Vertriebenen (BdV) e. V. führte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Hermannstadt aus nach Mediasch, Schäßburg und Holzmengen. Reiseleiter des Tages war Roger Pârvu, der die Gruppe fachkundig begleitete und mit seinen Erläuterungen wesentlich zum Gelingen des Tages beitrug. Im Mittelpunkt standen die Geschichte der sächsischen Stadt- und Dorfgemeinschaften, die Bedeutung der Kirchenburgen sowie die Bewahrung des siebenbürgisch-sächsischen Kulturerbes.
In Mediasch besuchte die Gruppe die evangelische Stadtpfarrkirche St. Margarethe mit ihrer Kirchenburganlage. Die heutige Form der Kirche entstand nach mehreren Vorgängerbauten im Wesentlichen im 15. Jahrhundert. Um die Kirche herum sind Teile der alten Befestigungsanlage mit Mauern, Türmen und Gebäuden erhalten. Besonders eindrucksvoll war, dass Kirche und Burganlage noch heute als geschlossene historische Einheit erfahrbar sind. Im Anschluss fand ein Fachgespräch zur Geschichte der Kirche und Kirchengemeinde statt. Referentin war Pfarrerin Hildegard Servatius-Depner von der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien. Sie gehört zu den Pfarrerinnen, die die Entwicklung der Frauenordination in der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien aktiv mitgeprägt haben. Ihr Theologiestudium absolvierte sie in Hermannstadt und München; im Herbst 2002 wurde sie ordiniert. Heute wirkt sie in Mediasch und betreut von dort aus mehrere Gemeinden der Region.
Aus der Kirche in Mediasch verabschiedete sich die Gruppe mit dem Lied „Großer Gott, wir loben dich“, begleitet von der Orgel, sowie mit einem gemeinsamen Vaterunser. Dieser Moment bildete einen äußerst emotionalen Abschluss des Besuchs in der Stadtpfarrkirche.
Anschließend führte die Fahrt weiter nach Schäßburg. Nach dem Mittagessen im Restaurant des Hotels Sighișoara besichtigten die Teilnehmerinnen die Bergkirche auf dem Schulberg. Der Bau der Kirche geht auf den Anfang des 13. Jahrhunderts zurück; später wurde sie in mehreren Bauphasen erweitert und gotisch umgestaltet. Besonders ist, dass sich im Untergeschoss Reste einer älteren Kirche erhalten haben. Beim Rundgang wurden außerdem die Altstadt mit ihren Gassen, Türmen und historischen Gebäuden sowie die Bedeutung der befestigten Stadtanlage erläutert.
Das Wetter war an diesem Tag kühl und wechselhaft. Bei maximal etwa 20 Grad und Regen blieb es während der Führungen und Aufenthalte im Freien jedoch trocken, sodass alle Programmpunkte wie geplant stattfinden konnten. Nur die Karpaten mit ihren weißen Spitzen waren tagsüber wegen der Wolken leider nicht sichtbar. Erst am Abend, auf der Fahrt zurück ins Hotel, öffnete sich der Himmel im Halbdunkel etwas, und die Berggipfel zeigten sich etwas.
Am Nachmittag erreichte die Gruppe Holzmengen. Dort standen die Geschichte der Dorfgemeinschaft und die Kirchenburg Holzmengen im Mittelpunkt. Die erste urkundliche Erwähnung der Kirche stammt aus den Jahren 1317/1318; Teile der Kirche gehen auf das 13. Jahrhundert zurück. Besonders bekannt ist das romanische Westportal mit seinen Reliefdarstellungen. Die Ringmauern der Kirchenburg wurden im 15. Jahrhundert errichtet und sind bis heute weitgehend erhalten. Auch der Torturm, mehrere Wehrtürme, Spuren des Wehrgangs und Schießscharten sind noch sichtbar.
Der Austausch vor Ort wurde von Ruth István, Stefan Bichler und Christian Schneider begleitet.

Christian Schneider, Kurator der evangelischen Kirchengemeinde Holzmengen und Fachreferent für Projektarbeit in der Heimatortsgemeinschaft Holzmengen, berichtete über das große Engagement für den Erhalt und die Weiterentwicklung der Kirchenburg. Seit vielen Jahren kümmert sich die Heimatortsgemeinschaft Holzmengen mit großem Einsatz um die Restaurierung der Kirchenburg. Ein Beispiel dafür ist der Arbeitseinsatz im Mai 2024. Zehn Mitglieder der HOG sowie mehrere Helfer vor Ort begannen mit den notwendigen Sanierungsarbeiten an der alten Küche und der alten Schule. Zu den wichtigsten Aufgaben gehörten die Herstellung des Wasser- und Abwasseranschlusses, das Ausheben des Kanals sowie die Verlegung der Wasser- und Abwasserrohre. Er ist mehrmals im Jahr in Holzmengen und kümmert sich um alle Restaurierungsarbeiten.

Ruth István arbeitet bei der Stiftung Kirchenburgen in Hermannstadt als Referentin für Fachtourismus und Öffentlichkeitsarbeit  Stefan Bichler, Geschäftsführer von Holzmedia S.R.L., führte durch die Kirchenburg und vermittelte die siebenbürgisch-sächsische Geschichte anschaulich und lebendig.

In Holzmengen erfuhren wir, dass die Kirchenburg nicht nur ein historisches Bauwerk ist, sondern bis heute genutzt wird. In der Kirchenburg finden wieder Gottesdienste statt. Zudem spielt die Jugendherberge, das frühere Pfarrhaus bei der Kirchenburg, eine wichtige Rolle. Gruppen, Jugendliche und Besucher können dort übernachten und den Ort nicht nur kurz besichtigen, sondern unmittelbar erleben. Für Führungen wurde außerdem eine Mitarbeiterin angestellt, die Besucher empfängt und die Geschichte der Kirchenburg vermittelt.
Auch das Abendessen fand in Holzmengen statt. Ruth István bereitete für die Gruppe eine hausgemachte Lasagne mit Blattsalat aus dem eigenen Garten zu. Zum Nachtisch gab es Karottenkuchen. Dieses persönliche Abendessen bildete einen herzlichen Abschluss eines eindrucksvollen Seminartages.
Die Rückmeldungen der Teilnehmerinnen waren durchweg positiv. Am Abend waren viele zwar müde, aber glücklich, an diesem Tag so viel gesehen und erlebt zu haben.
Hiltrud Leber
Fotos: Lilia Antipow, Hiltrud Leber

Comments are closed.